#WritingFriday: Der Sprung

Dieser Text ist Teil der Schreibaktion #WritingFriday, die von Elizzy ins Leben gerufen wurde.

Ich habe mir folgendes Mai-Schreibthema ausgesucht: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er war sich seiner Sache so sicher, dass er…“ beginnt


Er war sich seiner Sache so sicher, dass er nicht darüber nachdachte, was schieflaufen könnte. Er würde den Sprung ganz sicher schaffen. Er starrte sein Ziel seit mehreren Minuten bewegungslos an. Er würde es da rauf schaffen. Das wäre doch ein Kinderspiel für ihn. Er war schliesslich ein stattlicher, ausgewachsener Kater. Wenn nicht er, wer sollte es dann schaffen? Vom Tisch bis zum Aqarium waren es etwa drei Katerlängen. Er musste nur genügend Anlauf holen.

Er duckte sich, legte die Ohren an, kniff die Augen zusammen und rannte los. Er stiess sich kräftig mit den Hinterläufen von der Tischkante ab. Er flog auf sein Ziel zu. Dann tauchte plötzlich ein riesiger Fisch aus dem grünen Dickicht auf, positionierte sich direkt hinter der Scheibe und starrte Monti an als dieser auf das Aquarium zuflog.

Damit hatte er nicht gerechnet. Irritiert von dem riesigen Fisch verlor Monti die Kontrolle über sein Gleichgewicht. Er geriet ins Wanken. Er sah die Kante der Abdeckung und wollte sie unbedingt erreichen. Er schaffte es mit Vorderpfoten auf die Kante, aber der Rest seines Körpers kam nicht mehr so weit. Er klatschte mit voller Wucht mit seiner linken Körperseite gegen das Aquarium. Sein Kopf blieb verschont, aber seine linke Halshälfte schlug gegen die Kante. Er fiel nach unten, schaute nochmals nach oben und sah, dass der Fisch ihm nachschaute. Er schaffte es gerade noch, die Füsse nach unten zu strecken und landete auf ihnen. Dann sackte sein Bauch auf den Boden und er musste erstmal Luft holen. Er liess die Zunge aus dem Maul hängen und hächelte wie ein Hund.

Herrchen und Frauchen sassen auf dem Sofa und schauten fern, als sie den Knall hörten. Ruckartig drehten beide ihre Köpfe nach der Lärmquelle um. Sie sprangen auf. „Monti, was machst du denn schon wieder?“ Sie fanden ihn auf dem Boden. Er sah etwas durcheinander aus. „Wann lernst du endlich mal, ordentlich zu springen? Hast du dir was getan?“ Herrchen nahm ihn auf den Arm. „Ich glaub nicht, der guckt immer so doof“, sagte er und streichelte ihm schmunzelnd den Kopf. „Du brauchst wohl noch etwas frische Luft, du hast zu viel Energie“, sagte Frauchen. Sie nahm ihn Herrchen ab und trug ihn ins Schlafzimmer. Monti schaute nochmal zurück. Der Fisch war nicht mehr zu sehen. „Na gut, diesmal hast du gewonnen. Aber es wird ganz sicher ein nächstes Mal geben, Fisch.“

Dieser Text ist unserem Kater Monti gewidmet, der uns immer wieder mit seiner Unfähigkeit zu springen verblüfft und zum Lachen bringt. Er springt ab und zu auf das Aquarium, aber nicht wegen den Fischen, sondern nur um uns zu provozieren, damit wir aufstehen und er Futter bekommt. Er klettert dann immer auf die Mikrowelle und springt von da aus auf das Aquarium, weil es so nicht so weit ist.

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Buchrezension: Das Orchideenhaus von Lucinda Riley

„Das Orchideenhaus“ ist ein Roman von Lucinda Riley. Die deutschsprachige Ausgabe erschien 2010 im Goldmann Verlag.

Klappentext
Als junges Mädchen verbrachte Julia Forrester jede freie Minute bei ihrem Großvater, einem bekannten Orchideenzüchter, im Gewächshaus von Wharton Park. Nach einem schweren Schicksalsschlag führt der Zufall Julia Jahre später noch einmal zu dem Anwesen zurück. Der jetzige Besitzer Kit Crawford überreicht ihr ein altes Tagebuch, das bei den Renovierungsarbeiten gefunden wurde und womöglich Julias Großvater gehörte. Als Julia ihre Großmutter Elsie mit dem Tagebuch konfrontiert, drängt ein jahrelang gehütetes Familiengeheimnis ans Licht, das auch Julias Leben komplett verändern wird …
Quelle: Goldmann Verlag

Inhalt:
Der Roman dreht sich um das englische Familienanwesen „Wharton Park“. Man steigt mit der Hauptfigur, Julia Forrester, in die Gegenwart ein. Sie ist eine berühmte Pianistin, die vor Kurzem Mann und Sohn bei einem tragischen Autounfall verloren hat. Sie lebte mit ihnen zuvor in Frankreich, hat sich für die Trauerzeit aber nach Norfolk in ein düsteres Cottage zurückgezogen, damit sie näher bei der Familie ist. Julia sieht keinen wirklichen Sinn mehr im Leben und die Tage ziehen ohne Inhalt an ihr vorbei. Dann begegnet sie Kit (Christopher Crawford), der der Erbe des Anwesens Wharton Park ist und es nun verkaufen will. Julias Grossvater Bill war früher als Gärtner tätig auf dem Anwesen und hat Orchideen gezüchtet in den Gewächshäusern. Bei Renovierungsarbeiten auf dem Anwesen findet Kit ein Tagebuch, das von Julias Grossvater stammt. Als Julia es ihrer Grossmutter überreicht, beginnt eine spannende Reise in die Vergangenheit und eine verworrene Liebes- und Familiengeschichte kommt zum Vorschein.

Schreibstil:
Der Roman startet in der Gegenwart und wechselt anhand mehrerer Rückblenden in die Vergangenheit, wenn Grossmutter Elsie von früher erzählt. Der Aufbau des Buches ist gut nachvollziehbar und man weiss als Leserin zu jeder Zeit, wo man sich befindet. Der Schreibstil ist sehr flüssig.

Fazit:
Ich hatte von dem Buch viel Gutes gehört und habe es darum meiner Mama geschenkt für die Coronazeit. Sie war überraschend schnell durch damit und hat sehr davon geschwärmt. Also wurde ich neugierig und wollte ich es auch lesen. Lucinda Riley schafft es, dass man komplett in die Geschichte abtaucht und gar nicht merkt, wie die Zeit vergeht während dem Lesen. Man kann sich enorm gut in die beiden Zeiten und deren Herausforderungen hineinversetzen, die sie beschreibt. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass die Liebesgeschichte zwischen Julia und Kit und Harry und Olivia relativ vorhersehbar waren, wurde am Ende aber vom kompletten Gegenteil überzeugt.

Was mich rückblickend stört, ist der Titel. Wenn ich „Das Orchideenhaus“ lese, denke ich an ein Haus voller Orchideen. Und das hat mit der Geschichte nur wenig zu tun. Die Orchidee ist das Verbindungsglied für beide Geschichten in der Gegenwart und der Vergangenheit, das lässt sich anhand des Titels aber nicht vermuten. Der Originaltitel lautete „Hothouse Flower“, das englische Wort für „Treibhausblume“, das viel besser passt, weil es öfter erwähnt wird in der Geschichte. Die Bedeutung dieses Wortes lässt sich aber erst nachvollziehen, wenn man das Buch gelesen hat.

Wer also wieder mal Lust auf eine tollen Roman hat, in deren Geschichte man versinken kann, der sollte dieses Buch unbedingt lesen!

Die Windmühle

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Photo by Skitterphoto on Pexels.com

Heute nehme ich wieder am #WritingFriday teil, einer Schreibaktion, die von Elizzy ins Leben gerufen wurde.

Ich habe mir folgendes Mai-Schreibthema ausgesucht: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Warnung, unglaublich, Windmühle, vergessen, gelogen


Jan hatte die Warnung der alten Frau gehört: „Geh nachts bloss nicht zur Windmühle. Da spukt es! Ich war einmal da und habe mich sehr gefürchtet.“ Während sie das sagte, erhob sie mahnend ihren Zeigefinger und ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. „Versprich es mir, Junge!“, drängte sie ihn. „Jaa, ist ja gut, ich versprechs. Ich gehe da nicht hin“, sagte Jan und rollte mit den Augen. Die alte Dame wohnte schon so lange im Wohnblock wie Jan lebte und kannte ihn seit er klein war. Ganze 15 Jahre waren es jetzt.

Jan hörte aber selten auf das was Frau Meier sagte. Sie fürchtete sich vor vielen Dingen, die er als harmlos betrachtete. Wie zum Beispiel Spinnen. Die hatten doch mehr Angst vor einem Menschen als Menschen vor ihnen.

Als es an diesem Abend dunkel wurde, schlich er sich aus der Wohnung und machte sich auf den Weg Richtung Windmühle. Er hatte gelogen, was sein Versprechen an Frau Meier betraf. Aber er wollte unbedingt mit eigenen Augen sehen, wie und wo es dort spuken sollte. Dank dem Vollmond in dieser Nacht brauchte er keine Taschenlampe, um den Weg zu erkennen. Er atmete die frische Nachtluft ein und freute sich über die friedliche Landschaft, durch die er sich bewegte. Von Weitem hörte er einen Uhu rufen auf einem nahen Baum. Und dann konnte er nach und nach die Umrisse der Windmühle sehen. Gross, dunkel und bedrohlich ragte sie vor ihm auf in der Nacht. Ihre Flügel wirken wie vier riesige breite Arme in der Dunkelheit. Nun war Jan plötzlich nicht mehr so mutig wie eben noch. Die Windmühle wirkte sehr bedrohlich nachts, das musste er sich eingestehen. Aber er würde jetzt keinen Rückzieher machen. Er ging um die Windmühle herum zu ihrem Eingang. Er atmete tief durch und stiess die Tür auf. Drinnen wurde er von kompletter Dunkelheit umhüllt. Er wollte nach seinem Handy greifen um die Taschenlampen-App einzuschalten. Da fiel im ein, dass er es zu Hause auf dem Küchentisch vergessen hatte. Er tappte also weiter im Dunkeln an der kalten Steinmauer entlang. Plötzlich hörte er ein Geräusch in seiner Nähe. „H-hallo-oo?“ sprach eine weibliche Stimme aus dem Nichts. Jan erschreckte sich so fest, dass er rücklings zu Boden fiel. „Oh Gott, hier spukt es wirklich“, dachte Jan. Als er seine Stimme wieder fand, sagte er: „Hallo-oo, wer ist da? Ich bin Jan.“

„Jan?“ „Jaa-a. Bist du ein Geist?“, fragte Jan. Die Stimme kam näher. „Jan Schulze? Nein ich bin kein Geist. Ich bin’s, Lisa Wettker.“ „Lisa!“, rief Jan erleichtert. „Oh Gott hast du mir einen Schrecken eingejagt! Was machst du denn hier? „Ich könnte dich dasselbe fragen. Ich bin hier, weil mir Frau Meier aus deinem Block erzählte, dass es hier spuken soll.“

„Ich auch!“, rief Jan. Dann hat sie dir das also auch erzählt, was? Ist schon unglaublich, welche Schauergeschichten diese alte Frau immer erzählt. „Ja, stimmt“, sagte Lisa. „Wir sind wohl beide darauf reingefallen.“ Beide lachten.

Und dann fiel plötzlich etwas zu Boden und wie aus dem Nichts kam Wind auf im Innern der Mühle. Aus der Dunkelheit ertönte eine eiskalte Flüsterstimme: „Wer wagt es, meine Windmühle zu betreten?!“

Und die beiden hetzten zur Tür und rannten in die dunkle Nacht hinaus.

 

 

 

 

 

 

Ein böser Albtraum

Jenny wachte schweissgebadet auf. Sie keuchte. Nur langsam nahm sie ihr Zimmer wahr und wurde sich klar, wo sie gerade war. Sie blickte auf den Wecker neben ihrem Bett. Er zeigte 6.55 Uhr an. Sie stöhnte: „Toll, 5 Minuten bevor ich aufstehen muss“, dachte sie und verdrehte die Augen. Sie richtete sich langsam auf, liess ihre Beine langsam zu Boden gleiten und schlüpfte mit den Füssen in ihre Pantoffeln, die auf dem Boden lagen. Sie fuhr sich mit beiden Händen mehrmals durchs Gesicht und dann durch ihre langen blonden Haare. Sie seufzte und sagte: „Gott, was für ein irrer Traum. Erst mal duschen.“

Als sie sich an den Früstückstisch setzte, las ihr Vater gerade Zeitung. Geistesabwesend sagte er: „Morgen. Gut geschlafen?“ Jenny antwortete nicht. Sie nippte an einem Glas Wasser. Ihr Vater schaute von der Zeitung auf und blickte Jenny nun an. „Kleines?“, sagte er. „Du bist ja ganz blass! Fühlst du dich nicht gut?“ Jenny schüttelte den Kopf und erwiderte: „Ich hatte einen furchtbaren Albtraum heute Nacht, Papa.“

„Wovon du denn geträumt?“, fragte er und legte seine Hand auf ihren Arm. „Ich habe von einer unsichtbaren Gefahr geträumt“. „Eine Gefahr, die man nicht sehen, nicht riechen, nicht hören und nicht schmecken konnte. Erst wenn sie einen befiel, fühlte man sie.“ „Aha, und was war das für eine Gefahr?“ fragte ihr Vater. „Es war eine Krankheit“, antwortete Jenny. 

„Sie kam aus einem fernen Land. Zuerst wurde ihr nicht viel Beachtung geschenkt, weil alle dachten, es wäre eine nur eine normale Grippe. Aber dann breitete sich die Krankheit auf der ganzen Welt aus und viele Menschen wurden krank. Die Krankheit befiel die Lunge. Für ältere Menschen war sie gefährlicher als für junge. Viele Menschen starben daran. Die Krankheit äusserte sich bei jedem ein wenig anders, aber die meisten hatten Fieber, Husten, Muskelschmerzen und verloren ihren Geruchts- und Geschmackssinn. Die Menschen steckten sich so schnell und häufig an, dass die Regierung harte Massnahmen treffen musste, um die gesunden Menschen zu schützen. Restaurants, Läden, alle Schulen und Kindergärten wurden geschlossen, Konzerte und Sportveranstaltungen abgesagt. Man durfte Familie und Freunde nicht mehr besuchen. Stell dir mal vor, wir dürften Oma nicht mehr besuchen gehen!“ Jenny kullerten ein paar Tränen über ihre Wangen, „das wäre doch schrecklich! Wir durften das Haus nur noch zum Arbeiten, Einkaufen oder für Arzt- oder Apothekenbesuch verlassen. Von allen Menschen musste man zwei Meter Abstand halten. Du musstest von zu Hause aus arbeiten. Beim Einkaufen mussten wir Schutzmasken und Handschuhe tragen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Die Läden hatten Einkaufsbeschränkungen und beim Betreten mussten sich alle die Hände desinfizieren. Waren zu viele Leute im Laden, musste man draussen warten, bis es wieder leerer wurde.“

Jenny schluckte schloss kurz die Augen: „Wir waren wegen der Krankheit schon wochenland zu Hause eingesperrt, wussten aber nicht, wann diese Situation endete. Es gab kein Gegenmittel gegen die Krankheit. Wenn man sich ansteckte, konnte man die gängigen Grippe- und Erkältungsmittel nehmen und musste zu Hause bleiben bis man sich besser fühlte. Das dauerte oft Wochen. In der Zeit durfte man das Haus überhaupt nicht verlassen und niemanden sehen. Sogar Essen musste man sich liefern lassen.“

Ihr Vater starrte sie erschrocken an. „Ach, Jenny, das klingt ja furchtbar!“, sagte er und nahm sie in den Arm. „Aber zum Glück war es ja nur ein Traum.“ Er streichelte ihre Haare. „Es ist ja nicht wirklich passiert“, meinte er und lächelte. „Ich weiss“, murmelte Jenny in die Schulter ihres Vaters, „aber alles fühlte sich so real an.“

 

Ein kurzer Kommentar zu diesem Text: Die Idee mit dem Albtraum hatte ich bereits vor einer Woche. Sie verfolgte mich so lange bis ich sie nun aufschrieb. Es faszinierte mich, wie es wohl wäre, wenn es jemanden gab, der unser alltägliches Dilemma anhand eines Traumes vorhergesehen hatte.

Buchrezension: Becoming von Michelle Obama

„Becoming“ ist die Autobiografie von Michelle Obama. Die deutschsprachige Ausgabe erschien 2018 im Goldmann Verlag.

Klappentext
Als kleines Mädchen bestand Michelle Robinsons Welt aus der South Side von Chicago. Dort teilte sie sich mit ihrem Bruder Craig ein Zimmer in der Dachgeschosswohnung der Familie und spielte mit ihm im nahegelegenen Park. Dort erzogen ihre Eltern, Fraser und Marian Robinson, sie auch dazu, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und sich keine Angst machen zu lassen. Doch das Leben brachte sie schon bald an entfernter liegende Orte: Von den ehrwürdigen Hallen von Princeton, wo sie schnell lernen sollte, wie es sich anfühlt, die einzige schwarze Frau im Raum zu sein, bis in den verglasten Büroturm, in welchem sie als junge Unternehmensanwältin Überstunden machte – und wo an einem schönen Sommertag ein Jurastudent namens Barack Obama in ihrem Büro aufkreuzte und all ihre sorgsam aufgestellten Pläne auf den Kopf stellte.

Inhalt:
Die Autobiografie gliedert sich in die Hauptteile „Becoming Me – Ich werden“, Becoming Us – Wir werden“, bezieht sich auf Barack und sie und „Becoming more – Mehr werden“ bezieht sich auf die Zeit vor und während der Präsidentenzeit von Barack Obama. Michelle Robinson wuchs in einer eher ärmlichen Arbeiterfamilie auf mit Eltern, die alles für ihre Kinder gaben. Sie war als Kind bereits sehr ehrgeizig und zielstrebig. Diese Eigenschaften brachten sie bis nach Princeton und Harvard, wo sie Jura abschloss. Anschliessend arbeitete sie bei der Kanzlei Sidley & Austin, wo eines Tages ihr neuer Sommerpraktikant Barack Obama in ihrem Büro aufkreuzte. Er kam zu spät an seinem ersten Arbeitstag. Michelle war anfangs dagegen, etwas mit Barack anzufangen, weil sie Arbeitskollegen sind, verliebte sich aber dann doch in ihn. Sie haben heute zwei Töchter, Malia (1998) und Sasha (eigentlich Natasha, 2001). Michelle wechselte anschliessend zur Stadtverwaltung von Chicago, weil der Job in der Kanzlei sie persönlich nicht erfüllte und sie lieber etwas für die Öffentlichkeit tun wollte. Sie wechselte zuerst in die Stadtverwaltung von Chicago und später ins Krankenhaus der Universität von Chicago. Dort wurde sie Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit, um die medizinische Versorgung im Viertel zu verbessern. Nachdem Barack sich entschieden hatte, für das Präsidentenamt der USA zu kandidieren, gab sie ihren Job bei der Universität auf und unterstützte ihn von da an selbst mit öffentlichen Auftritten.

Ihre Funktion als First Lady wollte sie schliesslich nutzen, um mit ihrer grossen Reichweite etwas für Menschen zu tun. Sie sorgte dafür, dass auf dem Anwesen des Weissen Hauses ein Garten angelegt wurde und lud Schulkinder ein, um beim Aussäen und Ernten dabei zu sein. Mit ihrer ersten Initiative „Let’s move“ ging sie gegen die landesweite Fettleibigkeit bei Kindern vor. Dafür holte sie Schulkantinen, Getränkehersteller, Ärzte, Disney, Warner Bros und diverse Sport-Ligen und Bürgermeister verschiedener Städte an Bord. Zudem erwirkte sie zusammen mit Barack ein Gesetz zur Verbesserung von Kinderernährung. Zusammen mit Jill Biden, der Frau des Vize-Präsidenten Joe Biden, erarbeiteten sie die Initiatve „Joining Forces“. Diese hatte zum Ziel, dass Unternehmen freie Stellen verstärkt mit Veteranen und Frauen von Militärangehörigen zu besetzen.
In der zweiten Amtszeit von Barack Obama widmete sich Michelle  „Reach Higher“. Sie wollte Jugendliche ermutigen, sich um ein College-Studium zu bemühen und es auch durchzuhalten, wenn sie es geschafft hatten. Dieser Weg sollte durch Beratungen an den Schulen und leichteren Zugang zu staatlichen Beihilfen erleichtert werden. Die vierte und letzte Initiative war „Let girls learn“. Sie sollte heranwachsenden Mädchen weltweit einen besseren Zugang zu Bildung ermöglichen. Laut der damaligen UNESCO-Statistik hatten weltweit 98 Mio. Mädchen keinen Zugang zu Bildung. Die Gründe dafür sind vielfältig: Arbeit, zu weite oder zu gefährliche Wege zur nächsten Schule, erdrückende Geschlechternormen, wirtschaftliche Zwänge. Regierungsweit wurden dafür mehrere 100 Mio. Dollar aufgetrieben über verschiedene international tätige Organisationen. Auch Prominente wurden miteinbezogen – u. a. die Musikerinnen Janelle Monaé, Zendaya, Kelly Clarkson und weitere die den Song „This is for my girls“ aufnahmen. Sämtliche Einnahmen flossen in die Bildungsförderung für Mädchen weltweit.

Die Macht einer First Lady ist ein kurioses Etwas – so weich und undefiniert wie die Rolle selbst. […] Traditionell wurde von mir erwartet, für eine Art sanftes Licht zu sorgen, dem Präsidenten mit meiner Hingabe zu schmeicheln und dem Land vor allen dadurch, dass ich mich nicht auflehnte. Nach und nach erkannte ich aber, dass so ein Licht durchaus einiges an Kraft besass, wenn man es mit Bedacht einsetzte. Ich besass allein schon dadurch Einfluss, dass ich selbst ein Kuriosum war: eine schwarze First Lady, eine berufstätige Frau und Mutter relativ kleiner Kinder.

Becoming, S. 473

Michelle Obama erzählt im Buch auch, wie sich ihr Leben verändert im weissen Haus, weil sie als Präsidentenfamilie nicht mehr ohne Schutz aus dem Haus gehen können und fortan immer von Sicherheitsleuten umgeben waren. Sie erzählt von interessanten Begegnungen mit der Queen und Prinz Philipp sowie Nelson Mandela, aber auch von Menschen wie du und ich, deren Geschichten und Schicksale ihre Wege kreuzten.

Schreibstil:
Michelle Obama oder besser ihre deutsche Übersetzung schreibt extrem adjektivreich und flüssig. Sie schafft es, komplizierte Sachverhalte innerhalb weniger Sätze verständlich zu erklären. Sie schreibt offen und ehrlich.

Fazit:
Ich habe das Buch bereits Ende 2018/Anfang 2019 gekauft und es erst am vergangenen Sonntag zu Ende gelesen. Dazwischen stand es sehr lange im Bücherregal. Es ist die erste Biografie, die ich gelesen habe. Michelle Obama’s Leben ist zweifellos aussergewöhnlich und sehr interessant, aber auf 538 Seiten irgendwann auch etwas langatmig. Es braucht etwas Durchhaltevermögen, aber es lohnt sich!
Ich fand Michelle Obama auch schon vor ihrer Biografie sehr cool und habe sie immer als Vorbild gesehen. Dieser Eindruck hat sich mit ihrer Biografie nur noch verstärkt. Ich fand es sehr interessant zu sehen, was ein Wahlkampf nicht nur für den Präsidentschaftskandidaten, sondern auch für dessen Familie bedeutet und wie Druck und Hektik zum Alltag werden. Es wird in dem Buch auch deutlich, wie sehr die Obamas um Amerika und das Wohl der Bevölkerung besorgt waren. Sie erzählt von sehr vielen berührenden Szenen, bei denen ich mehrmals Tränen in den Augen hatte. Ich habe sehr viel über die schwarze Bevölkerung und deren alltäglichen Existenzkampf gelernt. Sie besitzt eine enorme Stärke und Kraft und setzt diese sinnvoll ein für Andere, die ihre Stimme nicht erheben und ermutigt sie, für sich und die eigenen Werte einzustehen. Michelle Obama hat trotz aller Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit nie ihre Grundwerte vergessen oder ihre Herkunft vernächlässigt hat. Sie ist ein Mensch mit einem grossen, ehrlichen Herzen und begegnet den Leuten auf Augenhöhe mit viel Verständnis, Liebe und einer guten Prise Humor.

Ich bin mit einem schwerbehinderten Vater in einem zu kleinen Haus aufgewachsen, mit wenig Geld, in einem Viertel, das am Rande des Niedergangs stand, aber ich bin auch von Liebe und Musik umgeben in einer vielfältigen Stadt aufgewachsen, in einem Land, in dem man es mit Bildung sehr weit bringen kann. Ich hatte nichts oder ich hatte alles. Es hängt nur davon ab, wie man es erzählen will.

Becoming, S. 531

Glück im Unglück

Heute nehme ich zum ersten Mal am Writing Friday teil, einer Schreibaktion, die von Elizzy ins Leben gerufen wurde. Vielen Dank an dieser Stelle für diese tolle Idee!

Ich habe mir folgendes April-Schreibthema ausgesucht: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hoffnung, genüsslich, Wind, verletzt, Hindernisse

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John fuhr mit seinem Auto die kurvenreiche Bergstrasse hoch. Er war auf dem Weg zum Mittagessen im Bergrestaurant mit der tollen Aussicht über das Tal. Letzte Nacht hatte ein Sturm gewütet. Der Wind hatte viele Bäume umgerissen. Doch nun musste er plötzlich anhalten. Quer über der Strasse lagen zwei Bäume. Diese Hindernisse machten es ihm unmöglich, weiterzufahren. Allein konnte er sie bestimmt nicht aus dem Weg räumen. Er stieg also aus, packte seinen Rucksack und lief zu Fuss weiter. Es war nicht mehr weit und ein bisschen Bewegung würde ihm gut tun. Er stieg über die beiden Bäume, schaute dann den Hang hoch und dann hinunter und sah das Durcheinander überall. Plötzlich hörte er Hilferufe im Hang oberhalb von ihm. „Hallo? Ist hier jemand? Ich brauche Hilfe!“ Der Ruf kam von der rechten oberen Seite des Berghangs. Erschreckt antwortete John „Ja, ich bin hier, ich komme zu Ihnen!“ Er machte sich also an den Anstieg, kam aber nur langsam voran, weil er über zahlreiche Äste und Baumstämme klettern musste. Nachdem er die nächste Erhöhung bezwungen hatte, sah er plötzlich eine Frau zwischen zwei Baumstämmen liegen. Sie war wohl verletzt, denn ihr Gesicht war schmerzverzerrt. Auf der Höhe ihres rechten Oberschenkels lag ein schwerer Baumstamm. Als sie John entdeckte, rief sie erleichtert: „Gott sei Dank, Sie sind da! Ich kann mich nicht mehr bewegen und mein Bein tut extrem weh!“

John kniete sich neben sie und sagte: „Oh mein Gott, wie ist das denn passiert?“ „Ich beobachte und filme Waldtiere“, sie deutete auf ihre Kameratasche neben ihr. „Gestern Abend war ich auch hier und habe in der Nähe eine Rehfamilie entdeckt. Es dämmerte aber schon und ich konnte nicht mehr viel erkennen. Also entschied ich mich, heute nochmal herzukommen, um sie zu suchen. Ich verfolge ihre Spuren seit Wochen, hatte aber bisher nie Glück, sie bei ausreichendem Licht zu erwischen. In der Hoffnung, dass ich sie heute finden würde, kam ich nochmal her, obwohl ich wusste, dass es riskant war nach dem Sturm. Ich verfolgte einige Spuren von ihnen und habe mich so sehr darauf konzentriert, dass ich zu wenig auf die Umgebung geachtet habe. Ich rutschte aus, fiel zwischen diese Baumstämme. Dieser hier hat sich gelöst und ist auf mein Bein gefallen. Und hier liege ich nun und es tut wirklich scheisse weh.“

John wollte ihr helfen und versuchte den Baumstamm wegzurücken, um ihr Bein zu befreien. Aber er war viel zu schwer für ihn allein. Er versuchte mit aller Kraft, den Baumstamm zu bewegen, aber er rührte sich keinen Zentimeter von der Stelle. Er wollte mit seinem Handy schon nach Verstärkung rufen, als er ein sich näherndes Auto hörte auf der Strasse oberhalb des Hangs. „Ich versuche, Hilfe zu holen. Bin gleich zurück.“ Die Frau nickte erschöpft. Er hetzte den Hang hoch. So wie es aussah, war es ein Förster, der im Wald unterwegs war. John winkte mit den Armen und der Förster hielt an. „Hallo! Ich brauche dringend ihre Hilfe! Da unten liegt eine Frau unter einem Baumstamm und ich kann ihn nicht bewegen!“ Der Förster blickte überrascht den Hang hinunter und sagte: „Alles klar, ich habe eine Kette im Auto. Vielleicht schaffen wir es damit.“ Durch den Sturm und einzelne umgerissene Bäume war der Hang gerade so eben, dass der Förster mit seinem Land Rover bis zur Unfallstelle fahren konnte. Er stieg aus dem Auto aus und sagte: „Hallo junge Frau, ich werde versuchen, den Baumstamm mit einer Kette von Ihnen wegzuziehen. Junger Mann, bitte rufen Sie inzwischen die Rega, sie wird medizinische Hilfe benötigen, wenn ihr Bein erstmal befreit ist.“ „Alles klar“, sagte John. Der nächste Rega-Stützpunkt war nicht weit entfernt. John rief also an und schilderte die Lage. „Sie fliegen sofort los mit dem nächsten Hubschrauber“, berichtete John der Frau und dem Förster.

Der Förster hatte das Seil nun am Baumstamm befestigt und hängte es soeben ans Auto. „Junger Mann, ich steige jetzt ein und fahre dann ganz langsam los. Bitte schieben sie den Baumstamm gleichzeitig von ihr weg.“ John nickte. Er stemmte sich also mit aller Kraft gegen den Baumstamm, während der Förster das Auto startete. Und dann, ganz langsam, setzte sich der Baumstamm in Bewegung. „Der Baumstamm bewegt sich!“ rief John dem Förster zu. Nach und nach kam das Bein der Verletzten zum Vorschein. Die Frau stiess einen erleichterten Laut aus, als sich der Baumstamm nun ganz von ihrem Bein gelöst hatte und neben ihr zu liegen kam. Er hatte seine Spuren hinterlassen. Da wo er gelegen hatte, war ihre Hose gerissen und Blut zu sehen. Kaum hatten sie die Frau vom Baumstamm befreit, hörten sie auch schon den Rettungshubschrauber. Sie winkten mit den Armen und riefen: „Hallo, hier sind wir!“ Der Hubschrauber hatte sie gesehen und positionierte sich über den dreien. An einem Seil wurden zuerst eine Rettungsbahre und dann ein Sanitäter heruntergelassen. John und der Förster halfen dem Sanitäter, die Frau auf die Bahre zu hieven. „Danke! Ab hier übernehmen wir“, sagte der Sanitäter. Die Frau lächelte John und den Förster dankbar an und sagte: „Vielen Dank für Ihre Hilfe! Ich wüsste nicht, was ich ohne sie getan hätte! Ich bin übrigens Sarah“. „John, gute Besserung“, er lächelte und gab ihr die Hand. „Ralf, pass auf dich auf, junge Dame“, sagte er mit einem Zwinkern. Dann wurde Sarah mit dem Rettungssanitäter nach oben Richtung Hubschrauber gehoben und dieser flog davon.

„Uff, das ist ja nochmal gut gegangen! Ein Glück, dass Sie gerade unterwegs waren!“, sagte John zu Ralf. „Ja ich war wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, erwiderte Ralf. „Eigentlich war ich vorhin auf dem Weg zum Mittagessen im Bergrestaurant. Sollen wir was essen gehen? Ich brauche jetzt glaube ich, zuerst ein kühles Bier.“ „Eine sehr gute Idee!“, sagte Ralf und lachte.

Kurz darauf sassen sie bei Sonne auf der Terrasse des Bergrestaurants. Sie prosteten sich zu und schlürften genüsslich an ihren Bieren. „Schmeckt noch besser, nachdem man eine gute Tat begangen hat!“ „Da stimme ich dir zu“, erwiderte John lächelnd.

Buchrezension: Das Café am Rande der Welt von John Strelecky

„Das Café am Rande der Welt“ ist eine Erzählung von John Strelecky und erschien erstmals 2007 im dtv Verlag.

Klappentext
In einem kleinen Café am Rand der Welt wird John, ein stets gestresster Manager, mit Fragen nach dem Sinn des Lebens konfrontiert. Diese führen ihn gedanklich weit weg von seiner Büroetage an die Meeresküste von Hawaii. Dabei verändert sich seine Einstellung zum Leben und zu seinen Beziehungen, und er erfährt, wie viel man von einer weisen grünen Meeresschildkröte lernen kann. So gerät diese Reise letztlich zu einer Reise zum eigenen Selbst.

Inhalt:
John Strelecky erzählt von sich selbst in der Geschichte. Er erreicht das Café der Fragen am Ende seines ersten Urlaubstages nachdem er sich hoffnungslos verfahren hat. Mit grossem Hunger und nach vielen Stunden Autofahrt, betritt er das Café und sieht sich die Speisekarte an. Auf deren Rückseite findet er drei Fragen: „Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben?“ Anfangs ist er verwirrt über die Fragen, beschäftigt sich aber eingehend mit ihnen, indem er sich die Fragen selbst stellt. Die Fragen bespricht er mit verschiedenen Menschen im Restaurant und gelangt dabei zu neuen Erkenntnissen. Er begegnet diesen Fragen wohl genau im richtigen Moment. Er ist in einem Job, der ihn unglücklich macht, hat aber verlernt, in sich hineinzuhören und sich zu fragen, ob er glücklich ist. Die drei Fragen haben zum Ziel, den eigenen „ZdE – Zweck der Existenz“ zu ermitteln.

Man kann sich sehr gut in John hineinversetzen, weil man alles hautnah mit ihm miterlebt. Es ist, als würde man als dritte unsichtbare Person mit ihm an diesem Tisch sitzen in diesem Restaurant und sich die Fragen mit ihm stellen.

Schreibstil:
Das Buch besteht hauptsächlich aus Dialogen und Johns eigenen Gedankengängen. Es liest sich darum sehr schnell.

Fazit:
Ich mochte das Buch sehr, weil man sich bewusst wird, dass man sein Leben selbst in der Hand hat und es jederzeit ändern kann, wenn man will. Genau wie John fragt man sich, ob man den Zweck der eigenen Existenz schon gefunden hat und ob man glücklich ist im Leben. Das Buch ist eigentlich für alle empfehlenswert, egal in welcher Lebenslage man sich befindet. Es macht einem bewusst, dass man sich ständig fragen sollte: „Fühle ich mich gerade wohl in meinem Leben?“ Und falls die Antwort nein ist: „Warum nicht?“ Wir leben heute in einer Leistungsgesellschaft, wo es immer um höher, schneller, weiter, besser geht. Das Buch macht einem bewusst, dass viel Geld, gesellschaftlicher Druck, grosse Leistungen nicht zwingend zum eigenen Glück führen. Man sollte sich eher fragen: „Was tue ich gern im Leben und was interessiert mich wirklich?“